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Geburtsbericht Als das Apfelbäckchen das Licht der Welt erblickte

Hallo, Ihr Lieben,


schon ein ganzes Weilchen ist es ja her, aber gerade erst kam mir wieder der Gedanke, dass ich die Geburt vom Apfelbäckchen noch gar nicht aufgeschrieben habe.

Wie so vieles, scheint es beim dritten Kind mit der akribischen Notizerei wohl etwas zu schleifen, kennt Ihr das auch? Das Album liegt noch halbfertig herum, die Fotos sind auch noch nicht alle entwickelt, dass es endlich einmal Zeit wird, zu ordnen:
Außerdem habe ich Euch ja auch versprochen, einen Post darüber zu machen.
Ich hatte eine sehr schöne, dritte Schwangerschaft. Nach 14 Jahren wieder schwanger zu sein, war zugebenermaßen schon mutig, sonderbar aber auch wunderschön zugleich. Gedanken oder Sorgen über eine "späte"
Schwangerschaft machte ich mir eigentlich gar nicht und über dumme Sprüche hörte ich einfach hinweg, merkete mir aber sehr wohl, von wem sie kamen. :-( ( In solchen Punkten, kann ich sehr nachtragend sein, besonders dann, wenn man Worte, wie Abtreibung etc. zu hören bekommt)
Solche Dinge haben mich nur stärker gemacht und auch das Gefühl gegeben, alles richtig zu machen.

Schon einige Monate vor dem Entbindungstermin wurde mir dann von der Mama meiner Freundin Anika prophezeit, dass der kleine Mann am 12. Juli geboren werden wird. Das wäre also 5 Tage vor dem eigentlichen Termin. Na, darauf war ich ja gespannt.

Meine Schwester prophezeite mir sogar, dass der kleine Kerl ein Wikinger wird, haha.. wie sollte das denn bitteschön gehen? Woher sollten denn die roten Haare kommen?
Nun ja, warteten wir mal ab.

Auf den Ultraschallbildern, denen ich heiß entgegenfieberte, konnten wir einen fröhlichen, kleinen Mann erkennen, der uns bei unseren Ultraschall-Besuchen immer lieb zuwinkte.

Ich konnte es kaum noch erwarten, ihn in Empfang zu nehmen.
Einige Tage dann vor dem mir vorhergesagten Termin zeichnete sich dann schon ab, dass es wohl doch schon loginge. Alles Quatsch mit der Vorhersagerei.( ich schmunzelte innerlich schon)
Aber nichts passierte.
Am Morgen des 12. Juli dann, als sich schon zum dritten Mal in Folge den Schleimpfropf verlor und leichte Blutungen hatte, wollte ich dann doch auf Nummer gehen und besuchte meine Hebamme Gabi, die gerade Dienst im Kreissal hatte.
Der Muttermund war schon leicht geöffnet, aber weiter tat sich nichts. Etwas besorgt war sie schon, weil ich schon beim letzten Mal eine Blitzgeburt hatte. Das könne man ja beim dritten Mal nicht ausschließen. ( Eigentlich wäre ich ja nicht einmal zu Gabi gegeangen, wenn ich nicht ständig dieses Datum im Hinterkopf gehabt hätte. Es war so eine Art Drang an diesem Morgen)
Sie gab mir den wohlbekannt, wie berüchtigten  "Wehen-Cocktail" mit Rhizinus-Öl, der alles in Gange bringen sollte. Bärkssss... der schöne Geschmack des Pfirsich-Saftes versank im Nachgeschmack von "Altöl", so jedenfalls hat es geschmeckt... Igitt.. Das war das Ekelhafteste, was ich jemals getrunken hatte. Nur getan hat sich nichts. Nicht ein Ziehen war zu spüren und aufs Klo musste ich auch nicht.

Anika, die ja zu dem Zeitpunkt auch schwanger war, musste genau an diesem Morgen ebenfalls zu Gabi zum CTG und brachte mir dorthin Kräuter für einen Tee mit, den Ihre Mama extra für mich zusammengestellt hatte. Sie war noch immer felsenfest davon überzeugt, dass das Apfelbäckchen an diesem Tag kommt.

Also noch ein Wehen-Gebräu. Konnte ja nur besser schmecken, als der Cocktail.

Mir ging es immer noch bombastisch und ging erstmal wieder nach Hause. Um 15 Uhr sollte ich dann wiederkommen, um noch einmal zu schauen, ob alles in Ordnung ist. Wenn bis dahin nichts passiert ist, dann ist es eben so.
Ich habe Julia und ihren Freund Tobi informiert, wie der Stand der Dinge ist und sie gebeten, mich am Nachmittag wieder zu Gabi in den Kreissal zu fahren, danach wollte ich dann noch gerne einkaufen für  das Wochenende.
Der Tee lächelte mich immer wieder an und da ich gelangweilt auf Irgendetwas wartete, trank ich die große Tasse aus - nichts passierte..
Als wir dann am Nachmittag wieder im Kreissaal bei meiner Hebamme ankamen, war der Muttermund schon weiter geöffnet, Wehen waren leicht zu erkennen aber ich habe davon nichts bemerkt. Gabi wollte die Geburt einleiten. Eigentlich eine Horrorvorstellung für mich. Das habe ich bei Julia, 18 Jahre zuvor schon einmal erlebt und das war die schlimmste Erfahrung, die ich jemals gemacht habe. Ich war bei meiner zweiten Entbindung so dankbar, dass ich die Blitzgeburt von 30 Minuten hatte, mit  4 normalen Wehen, dass ich schon bei dem Gedanken an eine Einleitung Panik bekam.

Ich stimmte zögernd zu, gefallen hat es mir nicht. (Aber die, die mich kennen, so auch meine Hebamme, wussten ja, dass ich bestimmt, wenn ich es zu Hause auf mich zukommen lassen hätte, noch irgendwo umhergehüpft und shoppen gewesen wäre, so wie auch schon einige Tage zuvor. Da bin ich, ohne jemandem Bescheid zu geben, in den Wald gefahren, um Pfifferlinge zu pflücken, weit weg und im Funkloch. ) 

Ich sagte schnell Julia und Tobi Bescheid, was jetzt passieren würde. Die Beiden warteten neben dem Kreissaal schon aufgeregt auf mich. Dann rief ich noch rasch meine Schwester an, die mich ebenfalls, wie Julia bei der Entbindung begleiten wollte.
Kaum habe ich mich umgedreht, um zum Kreisssaal zurückzukehren, da platzte plötzlich die Fruchtblase, dass es nur so auf dem Flur plätscherte und das Fruchtwasser lief nur so, wie es konnte aus mir heraus. " Gabi, die Spritze kannste wieder einpacken", habe ich gerufen. Da war es bereits kurz vor 16 Uhr.
Was für eine Freude. Gabi und ich mussten ersteinmal grinsen, wie ich so da stand...
Ganz verdattert dagegen, starrten mich Julia und Tobi an. Aufgeregter als ich, konnte der sich gar nicht mehr bewegen. Ich musste darüber lachen, er würde doch kein Vater werden, er könne ganz entspannt bleiben. Nur einkaufen müsse er nun alleine fahren, versuchte ich ihn zu beruhigen.
Ich zog mir schnell mein Lieblingskleid an, in dem ich unseren kleinen Fynn erwarten wollte und ging zurück in den Warteraum. Noch immer kreidebleich, konnte sich Tobias nicht wirklich aufraffen, loszufahren. Wir beschlossen also, erst einmal eine Runde Memory zu spielen. Das Spiel lag da so einladend herum und würde bestimmt ablenken.

Währenddessen gingen dann auch schon die Wehen los, minütlich.. Holla..., dachte ich mir: so kann ich das Spiel ja nie gewinnen. Habe ich auch nicht. Haushoch verloren habe ich.  Tobi ist dann endlich auch von dannen gezogen und meine große Schwester trudelte ein. Gabi hat mir in der Zeit ein schönes Lavendelbad eingelassen und ich genoss das warme Bad mit Julia und meiner Schwester an der Seite. Sie haben mir meine Lieblingsmusik angemacht und dieWehen im minutentakt waren schnell nur zweitrangig. Der Lavendelduft des Bades und Musik von Ben Howard ließen mich an alles Andere denken, als an die Wehen, die nun immer heftiger wurden.

Ich hatte Hunger, immensen Hunger und ich hätte alles für ein Steak mit Pommes, Mayo und Kräuterbutter gegeben. Die Mädels versprachen mir allesamt, später noch was Schönes für mich aufzutreiben. Kopfschütteln machten sie sich sich über mich lustig, wie ich nur ans Essen denken könne, ich bekomme doch schließlich ein Kind. Sie stellten Vermutungen über die Haarfarbe von Fynn an, worüber ich nur schmunzelte. Er würde ganz bestimmt rote Haare bekommen, meinte meine Schwester immer noch sehr überzeugt. Dass das nicht gehen könne, versuchte ich ihr dabei immer wieder zu erklären.

Als ich aus dem Bad ins Bett umsattelte, wurde auch schon der Arzt angerufen.

Ich wunderte mich darüber: "Wie? Jetzt schon? Hatte ich Presswehen nicht anders in Erinnerung? Das ging ja mal wieder flott mit mir."
Aber dieser immer schlimmer werdende Gedanke an Steak mit Kräuterbutter, übermannte mich mehr und mehr, auch als die Presswehen so heftig, wie überraschend über mich kamen, wollte ich immernoch nur eines: Essen!!!
Und dann war ich ganz in meinem Gedanken darin verschwunden. Ich bekam nichts mehr mit, auch dass das Apfelbäckchen schon mit dem Köpfchen fast draußen war und die Mädels mich nun ermahnten, wieder mitzumachen und zu pressen, ging völlig an mir vorbei.
Sie drehten mich zur Seite und hielten meine Beine. Sie riefen irgendetwas zu, rüttelten mich, bis ich endlich bemerkte, <Sch... du bekommst ja gerade ein Kind!!!>
"Ihr bringt mir aber ein Steak, versprochen?" habe ich noch gerufen, als mir meine Schwester liebevoll sagte, dass der kleine Mann rote Haare hat, dann wurde ich wieder ganz klar im Kopf und presste...

Ein Donnerschlag knallte draußen (es hatte nämlich währenddessen begonnen, zu gewittern) und aus dem Radio im Kreissal tönte Lady Gaga's: Pokerface !!!
Es war geschafft! 17.58 Uhr


Mein liebes, liebes kleines Wikinger-Baby war da und ich konnte mein Glück kaum fassen.

Julia lag ganz dicht an meinem Kopf und weinte vor Glück, ebenso, wie meine Schwester an meiner anderen Seite. Dieses wunderschöne Menschenkind mit seiner kleinen Stupsnase, dem putzigen, knöpfchenförmigen Kinn und den orangen Haaren, gehörte nun zu uns.
Voller Liebe durchtrennte Julia die Nabelschnur, ganz aufgeregt und zaghaft. Ab jetzt behüten wir alle gemeinsam unseren kleinen Schatz.
Leider kam dann der weniger schöne Teil dieser doch recht leichten und schnellen Geburt: die Plazenta löste sich nicht und selbst nach einer halben Stunde tat sich rein gar nichts. Gabi stemmte sich auf mich und drückte, aber es bewegte sich nichts. Alarmbereitschaft!!

Beim Versuch, an der Nabelschnur zu ziehen um nachzuhelfen, riss diese fast komplettt ab, sodass eine Not-OP nun schleunigst durchgeführt werden musste. Ich verlor schon jede Menge Blut. Alles musste jetzt blitzschnell gehen.

Kaum waren wir vereint, wurden wir schon wieder getrennt voneinander. 
Als ich aus der Narkose wieder aufwachte, stand ich noch so neben den Schuhen, dass ich mich nicht einmal mehr daran erinnern konnte, gerade ein Kind zur Welt gebracht zu haben. Erst als im Zimmer meine lieben Eltern mit Julia und meiner Schwester sah, die sich ganz rührend um das Apfelbäckchen kümmerten, verschwand die Watte im Kopf und ich durfte mein Baby endlich wieder in die Arme schließen. Was für ein Moment - ich kann es gar nicht beschreiben, wie überglücklich ich war. Dieses liebevolle Lächeln, dass mich bei meinen Ultraschallbesuchen schon immer so sehr überwältigte, ließ die letzte Stunden vergessen. Voller Glück und Liebe konnte ich ihn jetzt wieder spüren, streicheln und endlich genießen.



Es stellte sich heraus, dass die Plazenta fast komplett festgewachsen war.

Und ich bin sehr dankbar, dass ich diese Hilfe noch vor Ort hatte.
Denn vor einem halben Jahr, hat man unsere Geburtsstation einfach geschlossen. Für Mamas in meiner damaligen  Situation, die nun über 60 km bis in die nächte Klinik fahren müssen, ist das eine Kathastrophe.
Aber Geburten scheinen hierzulande nicht lukrativ genug zu sein. Egal, ob es Komplikationen gibt.
5 % Verlust sind offiziell einkalkuliert worden bei den weiten Fahrten in die Kliniken. Eine ganz schlimme Entwicklung, die in so vielen Städten in Deutschland leider passiert. 
Aber das ist eine ganz andere Geschichte, auf die ich in diesem Post nicht weiter eingehen möchte.
Geschwisterliebe
Nun ist es doch ein ganz schön langer Post geworden.
Unser kleines Apfelbäckchen hat unser Leben noch einmal komplett umgekrempelt und erfüllt uns jeden, neuen Tag mit Liebe und unendlicher Freude. Es ist so wunderschön, ihn heranwachsen zu sehen, seine unendliche Lebensfreude in uns aufzusaugen und schützend unsere Hände über ihn zu legen.


In Liebe geschrieben
von Andrea <3

Kommentare

  1. Ein ganz wundervoller Bericht - auch wenn das Ende der Geburt nicht so schön für euch war. Aber die Hauptsache ist ja, dass es euch gut geht! Und wie witzig, dass die Prophezeihungen tatsächlich gestimmt haben ;-) Woher die beiden das wohl wussten... *lach*

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  2. Wow, was für ein Geburtsbericht!
    Echt süß, euer kleines Apfelbäckchen. Des Sommerkinds bester "Freund" ist auch rothaarig ; ).

    Liebe Grüße
    Nicole

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